Bezirks-Fischereiverein Deggendorf
  Chronik
 
Vereinsgeschichte


A
m 11. August 2007 konnte der Bezirks-Fischereiverein Deggendorf auf sein 150-jähriges Bestehen zurückblicken. Ohne Zweifel gab es in Deggendorf, das durch die Nähe der Donau und Isar mit ihren sehr zahlreichen Altwässern fischereilich sehr günstig gelegen ist, schon seit alter Zeit viele Berufsfischer. Darauf deutet schon der Name des benachbarten Ortes Fischerdorf hin. Es ist anzunehmen, dass schon im Mittelalter, der Blütezeit des Zunftwesens, auch in Deggendorf eine eigene Fischerzunft bestand wie in den meisten Donaustädten. Leider sind uns aber darüber keine Aufzeichnungen erhalten.

1857 fand — offenbar auf Anregung der Bürgerschaft Deggendorfs — die Gründung des Fischervereins oder, wie der damalige Name lautete,
der Fischereigesellschaft Deggendorf, statt. Es ist schon beachtlich, dass bei der Gründung des Vereins gleich die stattliche Zahl von 110 Mitgliedern erreicht wurde. Diese Tatsache beweist, dass gerade zu dieser Zeit ein Fischereiverein einem großen Bedürfnis entgegenkam. Erster Vorstand des Vereins wurde Landgerichtsassessor Jakob Höflinger, Schriftführer Kürschnermeister Paul Schröck, Kassier Lederermeister Georg Graßl. Dem Ausschuss gehörten ferner an: Lederermeister Häring, Schlossermeister Hochrein, Siebmacher Ölhardt und Bierbrauer Nürnberger.

Am 26. Dezember 1864 wurde der Name „Fischereigesellschaft“ in
„Bürgerverein Deggendorf“ geändert. Jeden Mittwoch war Gesellschaftsabend und mehrfach wurden Vereinsausflüge und Bälle veranstaltet. Einen wesentlichen Teil der Einnahmen des Vereins bildeten die Strafgelder, die von ertappten Fischfrevlern eingehoben wurden. Anderseits finden wir wiederholt Ausgaben für die Beaufsichtigung der Fischwasser, für Anzeigeprämien (von Fischfrevlern) und für Abschussprämien von Fischottern.

1872 wurde aus dem Bürgerverein der Bezirks-Fischereiverein Deggendorf, dem nunmehr auch auswärtige Mitglieder aus dem Bezirksamtsgebiet beitreten konnten. In Metten existierte sogar zeitweise ein eigener Filialverein. Oberstes Ziel des Fischereivereins war es (schon damals), der steten Abnahme des Fischbestandes entgegenzuwirken durch Verhinderung des Schwarzfischens, durch genaue Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften (Schonzeiten, Brittlmaß, Fanggeräte) und besonders durch Beschickung der Gewässer mit Setzlinge. Es ist ein besonderer Verdienst des Vereins, dass er zu diesem Zwecke eine eigene Fischzuchtanstalt auf die Beine brachte, die zuerst ein Herr Greckl, dann der Verein, dann Dr. Karl und Fabrikant Maurer, dann Bahnexpeditor Ritter und schließlich Herr Lühmann in Maxhofen inne hatten. Von dieser Zuchtanstalt gingen allein im Jahre 1906 fast eineinhalb Millionen Jungfische in viele Teile Deutschlands hinaus. Der Vereinsvorsitzende Oberlehrer Seehuber setzte sich mit besonderem Nachdruck für die Anlagen von Fischweiher im ganzen Bezirk ein und konnte große Erfolge in der Teichwirtschaft erzielen. Ihm verdanken wir auch die Anlage eines Versuchsweihers im Heidegrund.

Während des 2. Weltkrieges war es ruhig im Vereinsleben des Bezirks- Fischereivereins geworden. Die Leute hatten wahrlich andere Sorgen in jener Zeit. Doch bereits im April des Jahres 1948 kam es zur Wiedergründung des Vereins und die Mitgliederzahlen stiegen von Jahr zu Jahr.

Hatte der Verein lange Zeit nur angepachtete Gewässer, so gelang dem Vorsitzenden Paul Weinberger und seiner Mannschaft im Jahre 1972 der Kauf eines ersten Kiesweihers mit 7 Tagwerk Größe, dem sogenannte „Hölzlweiher“. In den Folgejahren ging es Schlag auf Schlag. Insgesamt 5 weitere Kiesweiher, mit einer Wasserfläche von insgesamt 20 ha, wurden von der neuen geschäftsführenden Vorstandschaft unter dem Vorsitz von Max Thoma und Helmut Kerschl gekauft. Häusl-, Katherl-, Schleien -, Socol- und Steinführter Weiher kamen hinzu.
       
Blick über unsere Anlage
 
Dieser Kraftakt war sicherlich nur zu bewältigen, weil sich alle Mitglieder in unglaublich großzügiger Weise durch Spenden und der, von der Generalversammlung auf Antrag der Vorstandschaft beschlossenen, so genannten „Socolbeihilfe“ finanziell beteiligt haben.

Ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Umgestaltung eines alten Bauernhauses in unsere jetzige Fischerhütte. Das marode und abbruchreife Anwesen war zusammen mit dem zweiten Gewässerkauf (daher auch die Namensgebung „Häusl-Weiher) erworben worden. In nur 1 ½ Jahren Bauzeit schafften ca. 80 Mitglieder unseres Vereins, die freiwillig 4650 Arbeitsstunden erbrachten, ehrenamtlich versteht sich, diese Meisterleistung.

Der stets steigende Fuhrpark und die Fülle an Gerätschaften veranlassten den Vorsitzenden Richard Löschel ein Wirtschaftgebäude entstehen zu lassen. Bauleiter Max Kerschl und seine fleißigen Helfer schafften in knapp einjähriger Bauzeit verbunden mit über 3000 freiwilligen Arbeitsstunden ein wahres Juwel direkt neben unserer Fischerhütte.
 

 Vereinschronik

1857

Vereinsgründung, Gründungsvorstand Landgerichtsassessor Höflinger

1893

1. Vorstand Ritter von Lenk

1902

1. Vorstand Landgerichtsdirektor Klingseisen

1905

1. Vorstand Lehrer Anton Seehuber
Pachtvertrag Kollbach wird  mit Johann Reithmayer abgeschlossen

1909

Das auch vom Bezirks-Fischereiverein begrüßte „Fischereigesetz für Bayern“ tritt am 1. April in Kraft

1910

Mitgliederstand 110, Beteiligung an der Kreisfischereiausstellung in Straubing,
23 Teiche ordnungsgemäß besetzt (z.B. Fischzuchtanlage in Maxhofen)

1913

In unserem Bezirk gibt es 28 bewirtschaftete Teiche, Gedenken an den verstorbenen Prinzregenten Luitpold

1926

Verlegung des ursprünglichen Verlaufes des Bogenbachs (Baumaßnahme dauerte 3 Jahre)

1931

1. Vorstand Pater Karl Sperl, Metten; Gründungsmitglied Apotheker L. Sell verstirbt, 
Preis Kollbachkarte 3 Mark; insgesamt 10 Karten wurden ausgegeben, Fischereiausstellung im Volksfest

1934

Mitgliederstand 54, Fischereiausstellung im Volksfest

1938

Ausgabe der Erlaubnisscheine (auch für Donau  und Altwässer) nur durch den BFV und nur an Mitglieder

1939

1. Vorstand Karl König
infolge der Kriegswirren gibt es nur dürftige Aufzeichnungen und Protokolle

1940

Ausgabe der Erlaubnisscheine der Donau und deren Nebengewässer nur noch an ortsansässige Angelfischer aus Deggendorf,  Ausgabe von 20 Friedfisch- und 10 Raubfischkarten

1941

Mitgliederstand 102

1942  

Pacht Bogenbach beträgt 50 Reichsmark bis 1948 werden keine Versammlungen abgehalten

1946

1. Vorstand Friseurmeister Karl König verstirbt

1948

23. April „Wiedergründungsversammlung“ insgesamt erscheinen 29 Mitglieder,
Franz Falter wird am 23. April zum 1. Vorsitzender gewählt;
am 30. Juli 48 erklärt er aufgrund Arbeitsüberlastung seinen Rücktritt.
Färbermeister Anton Hoffmann wird gebeten, die Geschäfte bis zur Wahl zu übernehmen. Aufnahmegebühr 2 DM, Jahresbeitrag 1 DM und Bogenbachkarte 3 DM.

1949

1. Vorstand Anton Hoffmann,    Jahresbeitrag wird auf 3 DM erhöht.

1951

1. Preisfischen im Grieshaus

1952   

1200-Jahrfeier der Stadt Deggendorf.
Vom  BFV wird ein Festwagen gestaltet und eine Fischereiausstellung arrangiert.
Mitgliederstand 75

1953

Pachtvertrag für den Sulzbach wird abgeschlossen.
Die ersten 4 Karten für den Stauweiher werden ausgegeben.

1954

Katastrophenhochwasser, Dammbrüche und Überflutungen beeinflussen die Ausübung
der Angelfischerei erheblich

1955

1. Vorsitzender Dr. P. Plessner Hoffmann wird Ehrenvorsitzender.
Die Karten werden wieder von den Fischereiberechtigten ausgegeben.

1956

Dr. Plessner tritt zurück,
Josef Scheungrab leitet kommissarisch den Verein

1957

1. Vorsitzender Josef Scheungrab, Dauer der Generalversammlung 3 ½ Stunden.
100 – jähriges Gründungsfest vom 6. – 8. September und zugleich
1. Niederbayerisches Königsfischen

1958

Beschluss der Generalversammlung am 8.1.58 den Verein ins Register eintragen zu lassen.
1. Vorstand Josef Moser

1959

Neugestaltung der Fischerkette,  Rudolf Weber 1. Fischerkönig

1961

Im Gasthof Höttl wird am 18.03.61 die 1. Fischerprüfung durchgeführt,
Josef Moser stirbt am 26. August,
Josef Scheungrab wird erneut 1. Vorsitzender

1963

Josef Scheungrab stirbt am 16.12.63.
Baggerloch und Sulzbach werden für 3000 DM ausgebaggert

1964

1.Vorstand Paul Weinberger

1967

Kauf einer Zille und eines Außenbordmotors

1969

Gründung der Jugendgruppe des BFV  - 1. Jugendleiter Siegfried Schubert 

1972

Weiherkauf:  Hölzlweiher, Mitgliederstand 420

1975

Fischerkette für die Jugend wird angeschafft

1976

1. Vorstand Max Thoma,  Weinberger wird Ehrenvorstand

1977

Gewässerkauf: Häuslweiher

1978

Beginn der Umbauarbeiten am Fischerhäusl:  Bauzeit 1 ½ Jahre, 4650 Arbeitsstunden
wurden geleistet

1979

Gewässerkauf:  Katherlweiher und Schleienweiher

1980 

 Häusleinweihung

1981

 1. Treffen der benachbarten Vereine im Fischerhäusl

1982 

Gewässerkauf am 22. April:  Socol - Weiher;
Socolbeihilfe in Höhe von 200 DM zur Finanzierung wird beschlossen und von allen Fischern bezahlt
125 - Jahr – Feier verbunden mit dem Niederbayerischen Fischereitag in Deggendorf

1983

1.  Weiherfest am Fischerhäusl    

1984   

Ehrenvorsitzender Weinberger verstirbt

1985 

Mitgliederstand 582 und 68 Jugendliche

1986

Kauf eines angrezenden, bewaldeten Grundstückes von der Flurbereinigung

1988

1. Vorstand Helmut Kerschl, Max Thoma wird Ehrenvorsitzender
Anliegergrundstück am Socolweiher  wird gekauft
Beteiligung an der Donau-Wald-Ausstellung

1990    

Besetzen des Aufzuchtweihers am Geiersberg

1992

Gründung der Partnerschaft mit Fischereiverein Neusiedl/See

1994 

Pergola wird eingeweiht

1996 

Kauf eines Elektrofischereifanggerätes

1999

Gewässerkauf: Steinfürther Weiher

2000

Waldgrundstück am Socolweiher wird gekauft
Niederbayerische Fischereitag findet in Deggendorf statt

2002

Mitgliedsbeiträge und Kartengebühren werden - ohne die damals damit verbundenen Preiserhöhungen- von DM auf € umgestellt

2003

1. Vorstand Richard Löschel,
Helmut Kerschl wird Ehrenvorsitzender
Ausbaggerung eines Aufzuchtweihers

2004   

Entstehung des Wirtschaftsgebäudes, 3000 ehrenamtliche Arbeitsstunden werden durch Vereinsmitglieder geleistet

2005

Kauf eines Großgerätes (Rasenmähertraktor) für Grundstücksbewirtschaftung/-pflege,
„Jugend-Oscar“ - Verleihung an Gerhard Bastian 
Übernahme der Patenschaft für den Bogenbach

2006

In der Generalversammlung wird nach 12-jähriger Beitrags-Stabilität die notwendige Erhöhung der Beiträge mit weitaus überwiegender Zustimmung der Mitglieder beschlossen 

2007

150-Jahr-Feier mit offenem Königsfischen
Mitgliederstand 535, davon 65 Jugendliche